Profil
Sarah Al-Mansoor arbeitet als Kulturjournalistin und Literaturkritikerin. Sie beschäftigt sich mit Übersetzungsprozessen, transkulturellem Wissenstransfer und Lektüregemeinschaften. In ihrer Arbeit geht es darum, wie Bücher und Gedanken zwischen Sprachen, Medien und Lesenden in neue Zusammenhänge gelangen.
Übersetzung versteht Al-Mansoor als aktive Arbeit. Wer einen Ton bewahren, ein Bild ersetzen oder eine Mehrdeutigkeit offenlassen will, muss Entscheidungen treffen. Der Text bleibt dabei mit seinem Ursprung verbunden und verändert sich zugleich für Menschen, die einen anderen sprachlichen oder kulturellen Bezug mitbringen.
Für Weitruf schreibt sie über Bücher, Empfehlungen und die sozialen Räume des Lesens. Eine Lektüregemeinschaft entsteht nicht allein dadurch, dass mehrere Menschen denselben Titel kennen. Sie entsteht in den Gesprächen, in den verschiedenen Deutungen und in der Bereitschaft, einem Gedanken über seine vertraute Sprache hinaus zu folgen.
Persönliche Notiz
Ein Satz mit zwei Möglichkeiten
Ein Satz soll auf eine Karte. In der ersten Fassung klingt er offen und freundlich, in der zweiten verbindlicher. Ein einziges Wort verschiebt, ob eine Einladung Raum lässt oder eine Antwort erwartet. Beide Fassungen stehen nebeneinander, bis man sie laut liest und den Unterschied hört.
An dieser kleinen Übersetzungsaufgabe lässt sich erkennen, wie viel in einer Entscheidung steckt, die auf dem Papier kaum sichtbar ist. Mich beschäftigt, was eine Formulierung ermöglicht und was sie ausschließt. Beim Lesen achte ich deshalb auch auf die Alternativen, die ein Text nicht gewählt hat.
